Teichbewirtschaftung einst und heute
Die Bewirtschaftung der Teiche unterschied sich im Mittelalter nicht grundlegend von der heute ausgeübten Wirtschaftsweise. Karpfen wurden bereits damals im dreisömmerigen Umtrieb erzeugt, d. h. dass nicht alle Klassen, wie weitläufig vermutet, durcheinander in einem Teich besetzt waren (sog. Femelbetrieb), sondern dass die Fische weitgehend in Altersklassen getrennt waren. Zu den Karpfen wurden auch Hechte und Orfen als Nebenfische besetzt. Ab 1600 werden vereinzelt auch Barsch und Brachse genannt. Die Schleie, heute ein klassischer Nebenfisch zum Karpfen, wird erst vergleichsweise spät - ab dem 18. Jh. - als Nebenfisch in der Karpfenteichwirtschaft gehalten.
Auch damals wurden die Teiche jährlich im Herbst abgefischt. Die Teiche waren allerdings weit weniger fruchtbar als heute. Der Naturertrag (Fischertrag ohne Zufütterung und Düngung) eines Teiches belief sich lediglich auf 100 kg/ha und Jahr. Dies galt um 1550 und offensichtlich noch bis zum Beginn des letzten Jahrhunderts. Erst die fortwährende Anreicherung der Teiche mit Nährstoffen durch die Zunahme der Bevölkerung und die Düngung in der Landwirtschaft führte zu heute mit 200 - 400 kg deutlich höheren Naturerträgen. Daher müssen zum langfristigen Erhalt der Teiche heute mehr Karpfen besetzt werden als früher. Die Fische wurden im Mittelalter noch nicht zugefüttert. Gelegentlich wurde die Teichfruchtbarkeit mit Mistdüngung angehoben. Die Zufütterung mit Getreide entwickelte sich erst ab dem Ende des 19. Jahrhundert.
Die Aufzucht erfolgt auch heute noch naturnah auf Grundlage der sog. Naturnahrung (Wasserflöhe, Hüpferlinge, Insektenlarven). Im Karpfenteich werden auch heute stets andere Fischarten, die sogenannten Nebenfische, besetzt. Hierzu zählen beispielsweise Schleien, Hechte, Zander, Welse, Graskarpfen, Rotaugen und Rotfedern, Störe, Zierfische und auch Krebse.

