Karpfen als Nahrungsmittel
Der Karpfen erfährt als Nahrungsmittel in der gesamten Region eine sehr hohe Wertschätzung. Das typische Gericht ist der gebackene Karpfen. Hierzu wird der Karpfen vom Kopf einschließlich des Schwanzes halbiert, gesalzen, in Mehl gewendet und in heißem Fett gebacken. Dabei wird der Karpfen fast ausschließlich in den hunderten existierender Fischküchen verzehrt. Die Vielzahl der leidenschaftlichen Konsumenten und die Vielzahl der Fischküchen dürften wohl einmalig sein.
"Event-Charakter"
Der Karpfen ist nicht nur, wie in anderen Regionen Deutschlands oder Ländern Europas als Weihnachtsessen oder Silvesterkarpfen Tradition. Die Karpfensaison ist im Aischgrund traditionell in den Monaten, die ein "r" im Monatsnamen tragen. Sie beginnt daher am 1. September und endet am 30. April. Während dieser Zeit wird Karpfen in der gesamten Region mit Leidenschaft als Nahrungsmittel geschätzt. Die Karpfensaison wird im September mit zahlreichen Feierlichkeiten eröffnet. Zum Karpfenessen gehen ist im Aischgrund eher als "Event" als reine Nahrungsaufnahme zu sehen. Junge Paare gehen statt wie anderswo ins Kino zum Karpfenessen, Vereine und andere Gruppen veranstalten eine "Karpfenpartie". Viele leidenschaftliche Karpfenesser führen insgeheim Buch über die Anzahl der verzehrten Karpfen. Ein Bürger Höchstadts soll in der acht Monate dauernden Karpfensaison 120 mal Karpfen verzehrt haben. Um das Mitzählen zu erleichtern, wurde kürzlich der sogenannte "Aischgründer Karpfenpass" ins Leben gerufen. Die meisten Eintragungen in der vergangenen Karpfensaison 2001/2002 hatte der damalige Landrat des Landkreises Erlangen /Höchstadt Eberhard Irlinger mit 60 verspeisten Karpfen. Neben dem gebackenen Karpfen spielten lange Zeit andere Zubereitungsarten, wie zum Beispiel der Karpfen "Blau" kaum eine Rolle. In den letzten Jahren erfährt zunehmend das grätengeschnittene Karpfenfilet an Beliebtheit. Mit diesem eröffnen sich eine Vielzahl von neuen Zubereitungsmöglichkeiten.
Fülle von Zubereitungsmöglichkeiten
Verschiedene Informationsveranstaltungen und Aktionen rund um den Karpfen eröffneten sowohl den Verbrauchern als auch der Gastronomie die Vielzahl der möglichen Zubereitungsarten. Karpfen kalt geräuchert wie Schinken, Karpfen nach Graved Art, Karpfen heiß geräuchert, Creme aus Räucherkarpfen, Karpfensalate nach Bismarck Art, Karpfen nach Matjes Art, Karpfentatar, Karpfenbratwürste, "Karpfenpralinen" sind Beispiele dafür, wie Karpfen heute bereits als kaltes Buffet oder als Vorspeise in der Gastronomie Niederschlag finden. Zunehmend findet das grätengeschnittene Filet mit einer Vielzahl an Zubereitungsmöglichkeiten Platz auf den Speisekarten der Fischküchen. Mit den "Karpfenschlemmerwochen" und anderen Veranstaltungen wird hierbei von der örtlichen Gastronomie geworben.
Marketing
Derzeit ist der Schutz des Aischgründer Karpfen als Ursprungsbezeichnung gemäß EU-Recht beim Deutschen Patent- und Markenamt beantragt. Ziel ist hierbei, die Vermarktung des heimischen Karpfens vor Ort zu verbessern. Hierzu wurde in Zusammenarbeit zwischen der Außenstelle für Karpfenteichwirtschaft und der FH-Weihenstephan eine Marketingstudie erstellt [Download als PDF]. Ein derartiger Schutz soll zum einen den Wünschen der Verbraucher entgegenkommen und zum anderen die heimischen Teichwirte vor Importen aus Osteuropa schützen und daher zu einer Zukunftssicherung der heimischen Teichwirtschaft beitragen.
Einfluss auf die Kultur
Die Karpfenteichwirtschaft prägt nicht nur die Landschaft sondern auch das kulturelle Leben im Aischgrund . Bücher mit historischen und teichwirtschaftlichen Anekdoten wurden verfasst, durch organisierte Kunstausstellungen wurde die Fantasie von Künstlern zum Schaffen von Gemälden rund um das Thema Karpfen angeregt, Lieder zum Thema Karpfen wurden geschrieben, der größte "Steinerne Karpfen" der Welt wurde als Wahrzeichen für die Region errichtet.
In Konditoreien wird der Karpfen als schokoladene Süßigkeit angeboten, ein Fruchtgummi in Karpfenform wird als Werbung für die Region vermarktet und ein sog "Karpfenkrapfen" wurde patentiert. Der Karpfen findet sich in den Stammtischgesprächen, auf Klingelschildern, auf Faschingsorden, T-Shirts der Schülermitverwaltung des Höchstadter Gymnasiums oder dem Wimpel des Rotary-Clubs.


